Interview mit Volker Ludwig, IGAWU mbH

Das Gelb-Grün Magazin interviewt Volker Ludwig, Umweltbetriebsprüfer (LGA), Gefahrgutbeauftragter, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Abfallbeauftragter, Immissionsschutzbeauftragter und Brandschutzbeauftragter der IGAWU.

 

Sie sind diplomierter Geologe. Wie kamen Sie darauf, im Bereich Abfallwirtschaft und Umweltberatung zu arbeiten?
V.L.
: Geologie, Abfallwirtshaft und Umweltschutz sind gar nicht so weit voneinander entfernt. Mit meinen beiden Hauptstudienfächern Ingenieur- und Hydrogeologie hatte ich bereits während des Studiums Kontakt zu Projekten der Erkundung und Sanierung von Grundwasserschadensfällen, Altlasten und Deponien. Diese Arbeitsgebiete des Geologen, die man als Umweltgeologie bezeichnet, wurden nach dem Studium dann auch zu meinen Haupttätigkeitsfeldern in einem Nürnberger Ingenieurbüro. Das war Umweltschutz pur.

Den eigentlichen Schritt in die betriebliche Umwelt- und Abfallberatung machte ich Mitte der 1990er Jahre mit meiner Ausbildung zum Umweltbetriebsprüfer und Abfallbeauftragten. Mit der Einführung der so genannten EG-Öko-Audit-Verordnung zu dieser Zeit wurde ein nützliches Instrument für Unternehmen geschaffen, um den Umweltschutz aktiv und sinnvoll in die betrieblichen Abläufe zu implementieren. Hierfür gab und gibt es immer noch erheblichen Beratungsbedarf.
Diese Entwicklung konnte ich nutzen und anschließend bei der IGAWU auf weitere Themengebiete wie Gefahrgut und Arbeitssicherheit erweitern. Vor diesem Hintergrund ist die Entwicklung vom Umweltgeologen zum Umweltberater also durchaus nachvollziehbar.

Was fasziniert Sie an den Themen „Abfallwirtschaftsplanung“ und „Umweltschutzberatung“?
V.L.
: Es sind nicht nur die Bereiche Abfallwirtschaft und Umweltschutz, sondern auch Brandschutz, Gefahrgut und Arbeitssicherheit, die mich faszinieren. Das sind alles Themen, die sich sehr gut miteinander verknüpfen lassen und so zu einer komplexen und anspruchsvollen Materie werden.
Im Grunde fängt hier die Faszination an, diese vielfältigen Themen im Rahmen der Beratung und Betreuung unserer Kunden in die betriebliche Praxis zu übertragen. Hinzu kommt, dass die meisten Unternehmen ein hohes Bewusstsein für diese Themen entwickeln, auch wenn sie in der Regel nicht deren Kernprozesse darstellen. Unfälle oder Umweltschäden zu vermeiden, gesunde Mitarbeiter zu beschäftigen oder rechtskonformes Handeln im Arbeits- und Umweltschutz sicherzustellen, sind Faktoren, die zum Erfolg eines Unternehmens beitragen und ein positives Image prägen. Hierbei aktiv mitzuwirken, ist eine tolle Aufgabe.

Welches Aufgabengebiet gefällt Ihnen besonders gut?
V.L.
: Ich habe keine besonderen Präferenzen, wenngleich ich das Thema Brandschutz schon sehr spannend finde. Es hängt aber auch davon ab, welche Projekte und Themen gerade im Vordergrund stehen. Insgesamt haben alle Arbeitsbereiche, die wir als Dienstleistung anbieten, ihren Reiz, weil sie so vielschichtig sind. In den wenigsten Fällen wiederholen sich die Fragestellungen. Wirkliche Routine gibt es kaum. Man steht immer wieder vor neuen Herausforderungen. Allein die häufigen Änderungen in den Rechtsvorschriften machen es unerlässlich, sich ständig mit neuen Aspekten der Aufgabengebiete auseinanderzusetzen. Deshalb ist diese Tätigkeit so reizvoll. Das war immer meine Vorstellung von einer interessanten Arbeit. Ich bin sehr froh, bei der IGAWU die Möglichkeiten zu haben, dies auch zu verwirklichen.

"Insgesamt haben alle Arbeitsbereiche, die wir als Dienstleistung anbieten, ihren Reiz, weil sie so vielschichtig sind. In den wenigsten Fällen wiederholen sich die Fragestellungen. Wirkliche Routine gibt es kaum."

 

Was war das bisher kurioseste Erlebnis in Ihrer Arbeit?
V.L.
: Kurios wird es oftmals dann, wenn Dinge passieren, mit denen man nicht rechnet oder wenn Menschen völlig anders als gedacht reagieren. Wobei das auch schnell vom Kuriosen ins Tragische umschlagen kann. Dessen muss man sich bei dieser Arbeit immer bewusst sein.
Unser Job besteht in vielen Bereichen darin, durch entsprechende vorbeugende Maßnahmen dazu beizutragen, dass z.B. keine Arbeitsunfälle passieren, Brände ausbrechen oder gefährliche Stoffe aus Anlagen austreten.
Einmal erlebte ich einen Entstehungsbrand in einem kleinen Unternehmen. Der Mitarbeiter, der den Brand entdeckt hatte, war so beeindruckt und wohl auch mit dieser Situation völlig überfordert, dass er auf eine Art und Weise reagierte, die man wohl zunächst mal als kurios bezeichnen kann. Er schnappte sich ein großes Fass, lief damit nach draußen ins Freie, füllte Schnee in das Fass, und wollte so das Feuer löschen. Dabei hing fünf Meter neben ihm ein Feuerlöscher. Glücklicherweise konnte ein anderer Mitarbeiter das Feuer damit schnell löschen.
Das hört sich im ersten Moment skurril an, letztendlich kann aber niemand so genau sagen, wie man in solchen Stresssituationen reagiert. Und das muss auch nicht immer so glimpflich ausgehen.

Wie sieht für Sie die optimale Beratung, Schulung und Betreuung Ihrer Kunden aus?
V.L.
: Optimalerweise gelingt es einem Berater, die Wünsche und Bedürfnisse des Kunden hundertprozentig zu verstehen und natürlich auch zu erfüllen. Meiner Meinung nach ist es daher sehr wichtig, zunächst gut zuzuhören. Erst wenn im Gespräch klar wird, mit welchen Fragestellungen sich der Kunde auseinandersetzt und wo genau er die Unterstützung des Beraters sucht, kann man gemeinsame Lösungen finden. Art und Intensität einer Beratung bestimmt allein der Kunde. Der Berater ist Dienstleister, wobei die Bedeutung dieses Wortes klar sein muss. Am Ende sollten natürlich beide Seiten mit dem erreichten Ergebnis zufrieden sein.

Verraten Sie uns Ihre persönliche Meinung zu einer aktuellen Gesetzesänderung oder Entwicklung in der Branche?
V.L.
: Immer wieder spannend ist es mit zu verfolgen, wie sich die gefahrgutrechtlichen Vorschriften für den Straßenverkehr weiterentwickeln. Hier gibt es einen festen Rhythmus. Alle zwei Jahre werden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen bei der UNO in einem neuen Regelwerk zusammengefasst und veröffentlicht. Die Neuerungen sind mal mehr, mal weniger umfangreich. Spannend ist aber immer herauszufinden, welche Änderungen für unsere Kunden von Bedeutung sind. Anfang 2013 ist es wieder soweit.

"Immer wieder spannend ist es mit zu verfolgen, wie sich die gefahrgutrechtlichen Vorschriften für den Straßenverkehr weiterentwickeln. Hier gibt es einen festen Rhythmus. Alle zwei Jahre werden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen bei der UNO in einem neuen Regelwerk zusammengefasst und veröffentlicht."


Sehr gespannt bin ich auch auf die weitere Entwicklung im Wasserrecht, ganz konkret bei der bundeseinheitlichen „Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (VAUwS)“. Ziel dieser Verordnung ist vor allem, Oberflächengewässer, Grundwasser und Boden vor dem Eindringen von Schadstoffen zu schützen. Sie formuliert zum Beispiel spezielle Anforderungen an die Lagerung oder das Abfüllen von wassergefährdenden Stoffen, zu denen auch viele Abfälle gehören. Die Verordnung wird derzeit auf Bundesebene neu gefasst. Aktuell besitzt jedes Bundesland eine eigene derartige Verordnung, wobei es durchaus relevante Unterschiede gibt. Seit der Föderalismusreform von 2006 verfügt der Bund nun über eine erweiterte Gesetzgebungs-Kompetenz im Wasserecht. Die sechzehn Länderverordnungen sollen jetzt in eine bundesweit gültige, einheitliche VAUwS übergehen. Ein fortgeschriebener Referentenentwurf von Januar 2012 liegt vor, die Verabschiedung ist für Ende 2012 geplant.
Inhaltlich könnten auf viele Unternehmen neue Forderungen in Bezug auf die Lagerung von Stoffen, Gemischen und Abfällen zukommen. Geplant ist momentan, dass feste Abfallgemische wie z.B. Metallschrott, Bauschutt oder Altholz als allgemein wassergefährdend eingestuft werden. Es sein denn der Betreiber einer Anlage kann nachweisen, dass es sich um ein nicht wassergefährdendes Gemisch handelt. Lagerflächen für die als wassergefährdend eingestuften festen Gemische müssten dann ggf. baulich angepasst werden. Einige Verbände sprechen in diesem Zusammenhang von „existenzgefährdenden“ Neuerungen für viele Mitgliedsbetriebe und drängen auf Ablehnung des Referentenentwurfs. Andere geplante Neuerungen beziehen sich auf die Prüfung bestimmter Anlagen und den Schutz bereits bestehender Anlagen. Es bleibt abzuwarten wie sich das weitere Gesetzgebungsverfahren entwickelt. Schließlich muss die Verordnung noch den Bundesrat passieren und von der EU notifiziert werden.

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