In einigen Jahren wird Abfallwirtschaft durch Rohstoffwirtschaft ersetzt

Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. (bvse) wurde 1949 in Bonn gegründet und ist heute der stärkste mittelständische Recyclingverband Europas. Von den mehr als 660 Mitgliedern gibt es 89 Unternehmen in Bayern, zu denen auch die Wittmann Entsorgungswirtschaft GmbH zählt. Aufgegliedert ist der bvse in 16 Landesverbände, 7 Fachverbände und 6 Ausschüsse. Als Vorsitzender des Kreislaufwirtschafts- Ausschuss vertritt Ingo Hemsing, Prokurist bei Wittmann, die Interessen der Mitglieder gegenüber Politik und Medien.

Herr Hemsing verraten Sie uns zunächst ein paar Details über Ihren beruflichen Werdegang und die Stationen innerhalb der Wittmann-Gruppe?
I.H
.: Als ich die Ausbildung zum Energieanlagen- Elektroniker und anschließend mein Abitur absolviert hatte, studierte ich „Internationale Umwelttechnik“ in Bremen. Der Schwerpunkt lag im Bereich Abfall- und Recyclingtechnologie und wurde durch Aufenthalte in England, mit einem Studium in Umweltmanagement, Chemie und Englisch, sowie einer sechsmonatigen Tätigkeit bei der WHO in Nancy, Frankreich, vertieft.
Nach Abschluss des Studiums, begann ich in München mit einer Tätigkeit im Bereich Altlasten-Sanierung. Im Mai 1999 startete ich bei Wittmann Entsorgungswirtschaft mit einer Vertriebsposition, leitete ein Jahr später die IGAWU und wechselte im April 2002 als Prokurist in die Geschäftsführung zu Wittmann. Seit Mai 2009 arbeite ich außerdem als Geschäftsführer für die SES GmbH.

Als Prokurist bei Wittmann bekleiden Sie seit Anfang 2011 das Amt als Vorsitzender des Ausschusses Kreislaufwirtschaft des bvse e.V. Seit wann ist Wittmann dort Mitglied und um welche Tätigkeitsfelder kümmern Sie sich dort?
I.H
.: Wittmann ist bereits seit Mitte der 90er-Jahre Mitglied beim bvse. Meine neue Tätigkeit umfasst alle Themen rund um Gesetz, Recht, Verordnungen und Richtlinien im Bereich nationales und internationales Umweltrecht und -gesetzgebung. Rund 80 % der Umweltgesetzgebung erfolgen mittlerweile in Brüssel, was auch gelegentliche Vor-Ort-Aufenthalte erfordert.

Haben Sie Möglichkeiten zur Einflussnahme auf Politik und Medien?
I.H
.: Ja, die haben wir. So gelangen beispielsweise aktuelle Entwürfe der Bundesregierung zu neuen Umweltgesetzen auch zum bvse. Diese werden im Ausschuss auf die Praktikabilität, Mittelstands- und Wettbewerbsfreundlichkeit durchleuchtet. Unsere daraus resultierenden Empfehlungen können durchaus auf die geplante Gesetzgebung einwirken. Um die Betreuung der Medien kümmert sich dann direkt die Presseabteilung des bvse.

In Ausgabe 2/2012 des Gelb-Grün-Magazins gab es Hinweise auf das neue Kreislaufwirtschaftgesetz (KrWG) vom 1.6.2012. Verraten Sie uns Ihren persönlichen Standpunkt?
I.H
.: In der Konsequenz weicht das neue Gesetz die bisherige Wettbewerbsfreundlichkeit klar auf und schwächt mittelständische Entsorger, wie beispielsweise auch Wittmann. Im Gegensatz dazu findet eine Rekommunalisierung statt. Ehemals privatisierte Aufgaben, die aus der kommunalen Verwaltung ausgegliedert wurden, gelangen zunehmend in die Organisationsformen des öffentlichen Rechts. Wir befürchten nachhaltig schädliche Auswirkungen auf den Mittelstand unserer Branche und haben bereits eindeutige Empfehlungen für Gesetzesänderungen kommuniziert.

Wie sieht Ihre Prognose zum weiteren Verlauf der Kreislaufwirtschaft in Deutschland aus?
I.H
.: Künftig existiert keine Abfallwirtschaft mehr, sondern nur noch eine Rohstoffwirtschaft. Im Rahmen einer dringend benötigten Neuordnung bei den Gesetzgebungsverfahren, muss die Legislative Rahmenbedingungen herstellen, um die Kreisläufe über alle Abfallströme schließen zu können. Im Vorfeld des Beschlusses zur Wertstofftonne gab es von Seiten der Regierung 2011 ein Planspiel in Berlin und Dessau, an dem auch ich im Rahmen meiner bvse-Funktion teilgenommen habe. Diese neue „Wertstofftonne“ für stoffgleiche Nichtverpackungen gibt es ab 2015. Dann werden nicht nur lizenzierte Verpackungen sondern z.B. auch materialgleiche Kunststoffabfälle gemeinsam gesammelt (ohne E-Schrott). Sowohl die Art der Erfassung, als auch die Finanzierung sind bisher noch unklar.
Meiner Meinung nach wird sich das ganze Ansehen der Entsorgungsbranche verändern. Das Image vom Abfallsammler verschiebt sich immer mehr zu dem eines Rohstofflieferanten bzw. Energielieferanten.

 

Meiner Meinung nach wird sich das ganze Ansehen der Entsorgungsbranche verändern. Das Image vom Abfallsammler verschiebt sich immer mehr zu dem eines Rohstofflieferanten bzw. Energielieferanten.

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